Frankfurt, 2017

50 Jahre B&V

Liebe Freunde,

sehr geehrte Geschäftspartner

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

ich begrüsse Sie, ich begrüsse Euch herzlich zu unserer 50-Jahre-Feier und danke Ihnen, danke Euch, das Sie gekommen sind, das Ihr gekommen seid.

1967 – am 1. Juni – wurde das Büro formal gegründet, doch es gab einen Vorlauf. 1939 bin ich geboren, mit 16 Jahren, also 1955 war ich fest entschlossen, Architektur zu studieren. Gestatten Sie mir als Gründer des Büros – gemeinsam mit Partnern, wie ich noch darlegen werde – einige autobiographische kurze Anmerkungen.

1957 – ich ging in die Unterprima – war eine internationale Bauausstellung in Berlin, die InterBau; die wollte ich sehen. Die finanziellen Mittel – ich komme aus kleinen Verhältnissen – waren beschränkt, für eine Fahrkarte nach Berlin reichte es. Schlafen konnte ich um einige Ecken bei den Eltern eines Arbeitskollegen meines Bruders Helmut – er ist 5 Jahre älter, hatte sein Architekturstudium bereits abgeschlossen und arbeitete in Bad Hersfeld – wo wir damals lebten – bei dem örtlichen Lokalmatador. Bald zog es ihn jedoch nach Essen in ein namhaftes Architekturbüro.

Der alte Herr, auf dessen Couch ich schlafen durfte, war gastfreundlich, zeigte dem interessierten Schüler die für ihn – aus einer Kleinstadt kommend – riesengrosse Stadt, in erster Linie natürlich die Ausstellungsbauten im Hansaviertel, aber auch die DDR-Bauten der Stalinallee, dann Karl-Marx- heute Frankfurter Allee, welche als Konkurrenzprojekt zur Interbau zeitgleich entstanden waren. Die stalinistischen Bauten fand ich schrecklich, heute sehe ich das – wenn man vom rein Formalen absieht – etwas relativiert. Die Menschen, die in diesen Häusern wohnen, leben gerne dort, gibt es doch in den Erdgeschossen alle nötigen Läden, überhaupt eine gewisse Urbanität, die dem Hansaviertel gänzlich abgeht.

Von den Wohnbauten im Hansaviertel beeindruckte mich besonders das Gebäude von Alvar Aalto – es ist mit seinen offenen Grundrissen, um einen Wohnraum gruppierten Einzelräumen, für mich noch immer vorbildlich. Das Apartmenthaus von Egon Eiermann – von ihm hatte ich bereits gehört – war nicht rechtzeitig fertig geworden!

1958 – im März – machte ich Abitur und arbeitete sodann zunächst einmal für 6 Monate am Bau, leistete Handlangerdienste, mauerte und putzte aber auch, strengte mich dabei durchaus an, um gegen die Sticheleien, kleinen Schikanen meiner skeptischen Arbeitskollegen zu bestehen

Im gleichen Jahr 1958 war bekanntlich die Weltausstellung in Brüssel. Da musste ich hin, gemeinsam mit meinem Bruder Helmut. Der Deutsche Pavillon von Egon Eiermann beeindruckte mich gewaltig – wie im Übrigen die ganze Fachwelt – natürlich auch andere Bauten wie der
Philips-Pavillon von Le Corbusier etc. Klar war mir: bei Eiermann in Karlsruhe musst du studieren! Im Herbst 1958 begann ich mein Studium an der ehrwürdigen Alma Mater Fridericiana in Karlsruhe, der Anfang des 19. Jahrhunderts ersten Technischen Hochschule Deutschlands.

Hervorheben muss ich, dass ich nach dem 2. Semester einer Kommilitonin im gleichen Semester näher gekommen war: Inge Krebs, dann Inge Braun-Krebs – wir hatten 1963 geheiratet -, später Inge Voigt – wir hatten uns privat getrennt, aber niemals das gemeinsame Arbeitszimmer im Büro verlassen! Wir schafften es, in der Oberstufe einen näheren Kontakt zu Egon Eiermann zu bekommen, bearbeiteten für ihn einen Wettbewerb für eine Versicherung in Hannover, bei welcher Ausschreibung es darum ging, für den aufkommenden Gedanken des Grossraumbüros eine angemessene Antwort zu finden. Solch eine Mitarbeit an einem Wettbewerb wurde damals noch als Entwurf für das Studium anerkannt, wie auch der Entwurf für das folgende Projekt:

Es handelt sich um die Bebauung eines ehemaligen Steinbruchs in den Weinbergen bei BruchsalSpiegelplatte genannt, welches Projekt wir auf Anregung eines Assistenten als Initiativplanung entwickelten.

Das führte dazu, dass wir in unserer Studentenwohnung, die wir zu viert mit zwei weiteren Kommilitonen ergattert hatten, den Oberbürgermeister von Bruchsal mit seinen Mitarbeitern empfangen konnten. Auch um ein Demonstrativbauvorhaben für dieses Projekt bemühten wir uns, schleppten das 1 x 2 m grosse Modell ins Bauministerium in Bonn. Das Projekt wurde in fast allen deutschsprachigen Architekturzeitschriften publiziert, aber auch in der französischen L’Architecture d’aujourdhui und sogar in einer japanischen Zeitschrift. Doch 1966/67 kam eine Krise für die Bauwirtschaft, so dass der Bauträger, den wir für das Projekt gefunden hatten, von der Realisierung Abstand nahm, - wir hatten inzwischen auch bereits andere, vielversprechende Pläne.

1965 – hatte ich mein Studium abgeschlossen, Inge Braun-Krebs ebenso, natürlich hatten wir beide bei Egon Eiermann unsere Diplomarbeit absolviert, im Abstand von einem Semester, so dass der eine jeweils der anderen – und umgekehrt – helfen konnte.

Egon Eiermann hätte mich sehr gerne für sein Büro gehabt, aber ich wusste, dort wurde man etwas verheizt und sehr schlecht bezahlt. Ich bekam ein Angebot für eine Assistentenstelle bei meinem Städtebauprofessor Adolf Bayer, an welchem Lehrstuhl ich die letzten drei Jahre bereits als Hilfsassistent gearbeitet hatte. Dieses erschien mir verlockender, hatte ich in dieser Position doch viel Freiheit und konnte mit meiner Frau unsere Selbständigkeit besser vorbereiten, denn dazu waren wir wild entschlossen, irgendetwas Anderes als ‚Freier Architekt‘ kam nicht in Frage.

Das 1. Jahr meiner Assistententätigkeit – also 1965 – engagierte ich mich jedoch zunächst für ein Projekt meines Professors, meine Frau war als wissenschaftliche Mitarbeiterin ebenfalls dabei. Es ging um eine Wohnbebauung in Villingen im Schwarzwald auf einem Hanggelände über der Stadt – dem Altstadtsteig mit einer verdichteten Einfamilienhausbebauung, dem Kopsbühl mit einer 8-geschossi­gen Miethausbebauung. Dieses Projekt wurde ebenfalls vielfach publiziert, auch auf einer internationalen Architekturausstellung in Utrecht gezeigt.

Wir engagierten uns bei diesem Projekt so sehr, dass der faire Professor Adolf Bayer uns als Mitautoren benannte. Der Kopsbühl wurde dann auch tatsächlich nach unseren Plänen von einer örtlichen Fertigteilfirma bebaut, das Projekt wurde jedoch stark vergröbert, da konnte auch unsere künstlerische Oberleitung, die wir als Urheber erhalten hatten, nicht viel ausrichten.

Im 2. Jahr meiner Assistententätigkeit – also 1966 – arbeitete ich für die Hochschule nur meine Pflichtstunden – 20 - 25 Stunden die Woche –, da wir uns gemeinsam mit meinem Bruder Helmut und seinem Freund Martin Schlockermann für ein sehr bedeutendes Projekt engagierten. Es ging um die ‚Deutsche Klinik für Diagnostik‘ in Wiesbaden, die gemäss dem Willen ihres Initiators Dr. Krutoff nach dem Vorbild der Mayo Clinic in Rochester/USA entstehen sollte.

Dieses Projekt wurde der Grundstein für die Gründung unseres Büros in Frankfurt unter dem Namen ‚Braun & Schlockermann‘ mit 4 Partnern, 3-mal Braun – Helmut Braun, Inge Braun-Krebs, Wolfgang Braun und Martin Schlockermann. Diese Partnerschaft, um etwas vorzugreifen, bestand bis zum 30.06.1990, dann hielten wir es beiderseits für richtig, unser Büro zu teilen in

  • Braun & Voigt & Partner Architekten BDA einerseits

         und

  • Braun & Schlockermann – neu! andererseits.

Die Teilung vollzog sich einvernehmlich, wir teilten die Projekte so, wie wir diese in etwa bearbeiteten und ordneten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend dem jeweiligen Büro zu. Wir brauchten keine Rechtsanwälte, formulierten alle notwendigen Vereinbarungen selbst.

Aber zurück – 23 Jahre haben wir ja als Partnerschaft B & S gemeinsam zusammen gearbeitet.

Für die Ärzte der DKD sollte in Wiesbaden auch eine Eigentumswohnanlage entstehen; für die

Realisierung wurde ein örtlicher Bauträger gefunden.

Neben verschiedenen Projekten – Krankenhausbauten, Büro- und Wohnbauten – wurden wir 1970 mit dem Wiederaufbau der Alten Oper in Frankfurt befasst, und das kam so:

Eine Bürgerinitiative zum Wiederaufbau der Alten Oper hatte sich in den 60-er Jahren gebildet und 10 Millionen private Spenden gesammelt. Die Stadt war im Zugzwang, Abreissen, wie es die SPD-geführte Stadtregierung unter Oberbürgermeister Rudi Arndt erwogen hatte, kam nicht mehr in Frage. Unter Oberbürgermeister Walter Möller stimmte die Stadt Ende 1969 dem Wiederaufbau zu und musste die Finanzierung stemmen, immerhin ca. 200 Millionen DM. Das Raumprogramm wurde von den Stadtverordneten auf einer DIN-A4-Seite festgelegt, wichtigster Punkt war der grosse Konzert- und Kongress-Saal für 2.500 Personen, dem hatte sich alles Andere unterzuordnen.

Die Bürgerinitiative ‚Opernhaus‘ hatte bereits ihren eigenen Architekten – Rambald von Steinbüchel -, die Stadt stellte unser Büro diesem zur Seite; von Steinbüchel überwarf sich jedoch mit der Bürgerinitiative, er hatte warzenartige Anbauten an der Alten Oper vorgeschlagen, um die Raumnot der Nebenräume zu lindern. Wir waren mit unserem Konzept ganz auf die Struktur des Gebäudes eingegangen. So kam es, dass wir als alleinige Architekten und Urheber des Wiederaufbaus verblieben unter Beteiligung des sehr erfahrenen Raumakustikers Professor Keilholz.

1981 wurde die wiederaufgebaute Alte Oper eröffnet, mit Mahlers 9. Sinfonie am ersten Tag, einer Sinfonie von Bruckner am zweiten Tag; Solti, der Dirigent, gratulierte uns zur gelungenen Akustik. – Mit diesem Meilenstein – nach der ebenfalls beachteten DKD in Wiesbaden – hatten wir uns einen Namen gemacht und waren in den 80-er Jahren – vorrangig im Rhein-Main-Gebiet – mit interessanten Bauaufgaben gut beschäftigt, errangen wir auch wiederholt Wettbewerbserfolge bei bedeutenden Bauaufgaben, nur einige wesentliche will ich nennen.

Die Landeszentralbank Rheinland-Pfalz in Mainz

Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt

In beiden Fällen hatten wir gegen namhafte Kollegen den 1. Preis errungen. Beide Projekte fielen in die Zeit der Teilung unseres Büros B&S–alt. Die Entwurfsplanungen entstanden noch unter dem Namen B&S–alt mit den besagten vier Partnern, die Ausführungsplanung und Bauleitung für das Projekt LZB Mainz durch B&V, für die Musikhochschule Frankfurt durch B&S–neu.

Ein weiteres wichtiges Projekt war uns noch vor der Teilung des Büros zugefallen. 1987 gewannen wir einen Wettbewerb für die Neugestaltung des Opernhauses am Theaterplatz, heute Willy-Brandt-Platz. Mit geringen finanziellen Mitteln frischten wir den Zuschauerraum auf, 14 Tage nach Neueröffnung brannte das Opernhaus aufgrund einer eigentlich versehentlichen Brandstiftung ab. Ein Stadtstreicher war auf der Suche nach etwas Essbarem eingestiegen und hatte sich im Bühnenturm ein Feuerchen gemacht, ohne an den gewaltigen Sog zu denken.

1991 wurde das Opernhaus endgültig wiedereröffnet, die Planung lag jedoch ausschliesslich bei Inge Voigt und mir, so dass wir die alleinigen Urheber sind. Der Wiederaufbau war ein Husarenritt: Der Theaterdoppelanlage fehlte eine Spielstätte, die Oper wurde ins Schauspiel verlegt, dieses musste sich mit dem technisch unzulänglichen Bockenheimer Depot begnügen. – Zur Wiedereröffnung gab es die Zauberflöte von Mozart.

Wie gesagt: seit dem 01.07.1990 gingen die beiden jeweiligen Partner von B&V und B&S–neu ihre eigenen Wege. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir 60 Mitarbeiter, nunmehr also jeweils 30. Was unser Büro B&V anging, erreichten wir Mitte der 90-er Jahre jedoch wieder die Grösse von 60, wobei wir 1993 ein Zweigbüro in Berlin gegründet hatten. 45 Mitarbeiter waren im Hauptbüro in Frankfurt beschäftigt, 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Berlin.

Ohne es eigentlich nötig zu haben, wollten Inge Voigt und ich an dem spannenden Baugeschehen in den neuen Bundesländern teilhaben. Wir pendelten also nahezu wöchentlich zwischen Frankfurt und Berlin hin und her, zumindest einer von uns.

Doch bereits 1994 wurde Inge Voigt schwer krank. Es folgte eine Operation mit anschliessender Rekonvaleszenz, eine weitere, eine dritte, in deren Intervallen Inge Voigt – bereits schwer angeschlagen – immer noch engagiert arbeitete; drei Monate vor ihrem Tod noch an einem Wettbewerb für den Winterhafen in Mainz; wir gewannen den 3. Preis. Am 30. Mai 1998 verstarb sie.

Zurück zum Bürogeschehen. – In den neuen Bundesländern nahmen wir an zahlreichen Wettbewerben teil, konnten mehrere für unser Büro entscheiden.

Die Landeszentralbank, Hauptstelle Erfurt

Das Aus- und Weiterbildungszentrum Moritzburg

                        Auch mit einer ganzen Reihe kleinerer und grösserer Projekte in den neuen Bundesländern wurden wir beauftragt: jeweils einem Arbeitsamt in Neuruppin, in Erfurt und Berlin-Ost, Amtsgerichtserweiterungen in Nauen und Perleberg etc. Hervorheben aus dieser Zeit möchte ich eine Bebauung in der Oranienburger Strasse,

                        Ecke Tucholskystrasse, wo wir einen arg zerrupften noblen Bau aus der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts denkmalgerecht restaurierten und zwei Baulücken wieder schlossen. – Das Penthouse in der 8-geschossigen Bebauung an der Oranienburger Strasse wählte ich als meinen Berliner Zweitwohnsitz, gewissermassen als Belohnung für das 15-jährige Pendeln zwischen Frankfurt und Berlin.

                        Ein ganz besonderes Projekt für uns jedoch war die Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg, für welches wir vom Staatsbauamt Neuruppin zunächst mit einer Zielplanung beauftragt wurden. Das Konzept des Gedenkstätten-Direktors sah ein dezentrales Museumskonzept vor, weshalb für einzelne Bereiche nochmals Wettbewerbe ausgelobt wurden. Den Wettbewerb für die 1993 von Rechtsradikalen durch Brandanschlag zerstörten ehemaligen jüdischen Baracken konnten wir aufgrund der – wie die Jury fand – angemessenen Zurückhaltung für uns entscheiden; Liebeskind, der ebenfalls teilgenommen hatte, war nach Meinung der Jury zu bombastisch.

                        Neben diesem Hauptprojekt wurde unser Büro jedoch auch noch mit einem Besucherzentrum im ehemaligen Kommandanten-Haus sowie der Renovierung/­Neugestaltung des sgn. „Neuen Museums“ aus DDR-Zeiten beauftragt. Unser Umgang mit dem Hauptprojekt – den teilzerstörten ehemaligen jüdischen Baracken – fand sogar in der New York Times lobende Erwähnung, so genau beäugte man im Ausland, wie die Deutschen mit ihren Holocaust-Stätten umgingen. Vom Land Brandenburg erhielten wir dafür einen Architekturpreis.

                        Einen Wettbewerbserfolg für ein weiteres sehr wichtiges Projekt konnte Inge Voigt noch miterleben. 1997 erhielten wir den 1. Preis für die Hochschule für Musik und Theater in Rostock. Diese sollte in einem in Fragmenten überkommenen denkmalgeschützten Klosterkomplex aus dem 14. Jahrhundert unter Hinzufügen von Neubauten untergebracht werden.

Dieses Projekt ist sicherlich ein weiterer Meilenstein in unserer beruflichen Entwicklung gewesen. Wir erhielten dafür einen Architekturpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern; es wurde vielfach publiziert. In Frankfurt nahm man das Projekt in Verbindung mit unserem Büro jedoch kaum zur Kenntnis – hier hatten wir ganz andersartige Bauvorhaben.

Zum Beispiel das Technikzentrum für die Commerzbank an der Mainzer Landstrasse mit dem zentralen Rechenzentrum und einem grossen, grundstücksbedingt handtuchartigem Händlersaal von 130 m Länge für 600 Broker. Die Bank nannte das Projekt ihre Fabrik, hier wurde vorrangig das Geld verdient, die Repräsentation fand in Fosters Hochhaus in der Innenstadt statt. Wir waren gehalten, bescheiden zu sein, Geld zu sparen. Das Technikzentrum sollte ein reiner Zweckbau sein; das Budget lag bei 400 Millionen DM bzw. 200 Millionen Euro.

Den Auftrag für ein exponiert gelegenes Wohnprojekt auf der Mole des Winterhafens in Frankfurt erhielten wir von einer pfälzischen Wohnbaugesellschaft. Dort planten wir 3 oder 6 Zwillingstürme mit gehobenem Wohnungsstandard, teilweise mit eigenem Bootsliegeplatz.

In der Innenstadt von Stuttgart gewannen wir einen Wettbewerb für ein gemischt genutztes Gebäude, dem sgn. Kronprinzbau: im Erd- und Untergeschoss Geschäfte sowie eine mehrgeschossige öffentliche Tiefgarage, darüber Büroflächen einer Bank, im obersten Geschoss sowie in dem städtebaulich festgelegten Tower Wohnungen.

Auf dem Rebstockgelände in Frankfurt erhielten wir etwa zur gleichen Zeit den Auftrag für den Neubau der Unfallkasse Hessen aufgrund eines sgn. VOF-Verfahrens. Bei diesem Projekt mussten wir die strengen Vorgaben des von Peter Eisenman New York entwickelten Bebauungsplans kreativ interpretieren. Die daraus resultierende Differenzierung des Bürogebäudes war uns sehr willkommen, für den Bauherrn war es etwas teurer.

Einen weiteren Wettbewerbserfolg erzielten wir mit unserem Entwurf für einen sehr schmalen Baublock in Sachsenhausen an der Textorstrasse/Schwanthaler Strasse. Eine Blockrandbebauung verbot sich aufgrund der Gestalt des Grundstücks, der von uns konzipierte Solitär überzeugte die Jury.

Ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit seit 2003 bis heute waren und sind Projekte für den Flughafen Frankfurt. Flughafenprojekte u. a. waren die Modernisierung der Ankunftshalle A im Terminal 1, ein Büro- und Lagergebäude für die Cargo City Süd, die brandschutztechnische Sanierung für ein grosses Büro- und Werkstattgebäude, an welchem Projekt wir nunmehr seit 10 Jahren aufgrund der abschnittsweisen Sanierung arbeiten, auch an der Sanierung des Flugsteig C im Terminal 1 – jeweils einschl. Bauleitung -, einer PTS-Station ebenfalls am Flugsteig C sowie gegenwärtig an der zentralen Feuerwache für den Flughafen; ein sehr interessantes Projekt, der Bauantrag ist bereits eingereicht.

Als letztes Projekt für meinen Teil möchte ich noch das Technikzentrum für die Deutsche Flugsicherung in Langen betonen, mit welchem Projekt wir ebenfalls aufgrund eines VOF-Verfahrens beauftragt wurden – sowie einen Initiativvorschlag für das Museum der Weltkulturen als ‚Brücke über den Main‘, bereits zweimal in der FAZ publiziert, aber als ernsthaft zu diskutierender Entwurfsgedanke von den zuständigen Kommunalpolitikern nicht aufgegriffen.

Bevor ich das Wort meinem Partner Sergio Canton übergebe, der unsere neuesten aktuellen Projekte vorstellen wird – einige der zuletzt gezeigten entstanden bereits unter seiner Führung -, noch einige Schlussbemerkungen:

Es hat sich ergeben, dass mit Sergio einer meiner Partner ein Spanier ist, um genauer zu sein, ein Katalane, in Barcelona geboren. Der seit Beginn diesen Jahres neu hinzugestossene, aber schon lange mit dem Büro verbundene Partner Suk-Won Park ist Südkoreaner, in Seoul geboren. Sie merken, die Rahmengestaltung unseres 50-Jahre-Events hat etwas mit den Wurzeln meiner beiden Partner zu tun!

Suk-Won Park ist bereits 23 Jahre Mitglied des Büros, seit einigen Jahren Prokurist, seit Anfang des Jahres – wie gesagt – Mitgeschäftsführer und Gesellschafter. – Sergio Canton trat 2001 in das Büro ein, einige wenige Jahre als Mitarbeiter, sehr bald mit Prokura, seit 2008 als Geschäftsführer, seit 2012 auch als Gesellschafter. Gemeinsam bilden wir ein Triumvirat, das aber anders als das von Augustus mit Antonius und Lepidus sehr gut harmoniert – eigentlich bei aller Verschiedenheit ausgezeichnet – und denken darüber nach, ob nicht auch eine Frau unserem Trio gut täte. – Wir glauben, wenn man das als Arbeitgeber sagen darf, dass die Atmosphäre in unserem Büro auch für die ca. 40 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angenehm ist; wir praktizieren einen fairen, kooperativen, offenen Bürostil.

Was nun mich selbst betrifft, werde ich von Bekannten oder auch Geschäftspartnern immer wieder gefragt: Wie lange willst Du, wollen Sie eigentlich noch arbeiten? – Dies gelegentlich recht aggressiv. Mit 78 Jahren tut man so etwas aus der Sicht von Vielen eigentlich nicht, es erscheint diesen wohl als provokativ! – Ich verweise dann immer auf den Papst, der etwa so alt ist wie ich oder gar auf Elisabeth II., die mit 91 Jahren immer noch sehr respektabel ihre Rolle spielt.

Früher habe ich auf diese Gretchenfrage immer geantwortet: ich arbeite bis 90, dann wollen wir weitersehen. In den letzten Jahren bin ich etwas vorsichtiger geworden angesichts dessen, was mit Leuten in meinem Alter so passieren kann, wenn man die diesbezüglichen Seiten im Spiegel liest! Ich antworte jetzt ergebnisoffen: 5 Jahre sollten es schon noch sein, vielleicht – wenn die Gesundheit mitspielt – auch 8, vielleicht noch... Wie kann man wissen, was die Zukunft mit sich bringt?! Jedenfalls gibt es für mich keinen vernünftigen Grund, vor der Zeit aufzuhören, da mein Beruf mir nun einmal Freude macht, sehr viel Freude...

Schicksalsschläge bekomme ich nicht durch meine Arbeit, sondern privat in Gestalt von gelegentlichen Unfällen bzw. den erwähnten Trauerfällen. Doch davon werde ich Ihnen, Euch natürlich nichts erzählen, allenfalls bei den anschliessenden zwanglosen Gesprächen. – Zum Schluss danken möchte ich noch meiner Frau Alice – seit 9 Jahren bin ich nämlich wieder verheiratet -, die unter meinen aus ihrer Sicht etwas absurden Aufstehzeiten leiden muss.

Vielen Dank

Im September 2017